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  • DIE GUANCHEN - 1

    Als Guanchen werden allgemein die Ureinwohner der Kanaren bezeichnet, auch wenn dieser Name korrekt
    angewendet eigentlich nur für die Ureinwohner von Teneriffa gelten dürfte. Das Wort Guanche leitet sich nämlich aus der bis auf einzelne Worte verloren gegangenen Sprache dieses Urvolkes ab und bedeutet ”Mann aus Teneriffa”. Der Name Teide beispielsweise könnte mit ” weißer Berg ” übersetzt werden. Anderen Theorien zufolge leitet sich der Name von dem Wort Echeyde ab, das wiederum bedeutet Hölle. Auch dieser Name könnte seine volle Berechtigung haben: die Guanchen müssen den Vulkan bei Eruptionen erlebt haben.

    Die Spuren der Guanchen zu finden, wird nicht einfacher dadurch, dass es sich offensichtlich um Angehörige von Berberstämmen gehandelt hat, die über einen langen Zeitraum hinweg die Inseln besiedelten. So scheint festzustehen, daß die östlichen Inseln wesentlich eher besiedelt waren als die westlichen, weil Fuerteventura und Lanzarote dem afrikanischen Kontinent auch wesentlich näher liegen.

    Belegt ist, dass es sich in jedem Fall um gezielte Auswanderungen gehandelt hat, denn sie brachten auch Saatgut und Vieh mit.

    Die Guanchen waren Hirten und Fischer. Sie ernährten sich hauptsächlich von Fleisch und betrieben relativ wenig Ackerbau. Sie wußten bereits 820 v. Chr. wie man Feuer macht und hatten - obwohl ein relativ primitives Volk - einen hoch entwickelten Moralkodex.

    Sie beherrschten auch die Kunst des Einbalsamierens. Guanchenmumien sind in den Museen von Santa Cruz und Las Palmas sowie in Madrid zu sehen. Entgegen früheren Mutmaßungen scheint heute erwiesen, daß
    die Ureinwohner auch auf den Inseln sehr wohl Schiffe bauten, vermutlich aus Binsen, aus denen sie ebenfalls Taschen, Netze und sogar Kleidung fertigten. Für den Küstenverkehr hatten sie auch Einbäume aus dem Stamm des Drachenbaumes gefertigt, weil dieser - im botanischen Sinne kein Baum sondern ein Zwiebelgewächs - zwar eine sehr harte Rinde hat, sein Inneres jedoch relativ weich und damit leicht zu bearbeiten ist.

    Die Pyramiden, rätselhafte Bauten auf Teneriffa und
    La Palma, sind offensichtlich Kultstätten der Ureinwohner gewesen. Zumindest ist das die Theorie, die unter anderem von dem berühmten Forscher Thor Heyerdahl vertreten wird. Als den dafür augenscheinlichsten Beweis sieht er die Pyramiden in Güimar an.

    Einer anderen Theorie zufolge handelte es sich um Bauten, die astronomischen Zwecken gedient haben sollen. Ganz entschieden handelt es sich jedoch in keinem Fall um ” willkürlich aufgetürmte Steinhaufen ”,
    die zufällig entstanden sind oder landwirtschaftlichen Zwecken gedient haben sollen, wie die Skeptiker noch bis vor kurzem immer behaupteten. Eindeutig sind diese pyramidenförmigen Bauten von großer Bedeu-tung für die ethnologische Forschung.

    Im Übrigen ist festgestellt worden, dass der Mythos vom großgewachsenen Guanchen absolut seine Be-rechtigung hat. Der Guanchenmann maß im Durchschnitt 1.70 m, also rund 10 Zentimeter mehr als die spanischen Eroberer. Die Guanchenfrauen waren im Schnitt 1.57 m groß.

    Falsch ist offensichtlich auch die Überlieferung, daß
    die Guanchen ein friedliches Volk gewesen sind, ehe sie von den Spaniern aus ihrem idyllischen Inselleben aufgeschreckt wurden. Die zahlreichen Verletzungen, die an den aufgefundenen Schädeln festgestellt wurden, weisen darauf hin, dass es ständig kriegerische Fehden zwischen den einzelnen Guanchenstämmen gegeben haben muss.

    Quelle: PUBLICPRESS Publicationsgesellschaft mbH.

     

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